
Besser verstehen, um besser handeln zu können.
Unsere täglichen Handlungen haben einen direkten Einfluss auf die Wasserqualität. Hier erfahren Sie, wie Sie ganz einfach und ohne großen Aufwand etwas bewirken können.
Jeden Tag verbrauchen wir Wasser, ohne über seine Herkunft oder seinen Verbleib nachzudenken. Doch sobald es abfließt, begibt es sich auf eine lange Reise zur Kläranlage. Die richtigen Verhaltensweisen zu Hause machen einen großen Unterschied: Sie erleichtern die Arbeit der Infrastruktur, schützen die Natur und senken die Kosten für die Allgemeinheit.
Vorurteile über Abwasser
Zerstöre die Mythen, entdecke die Wahrheit!
Wussten Sie das schon?
86 % der Einwohner:innen sind bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern, aber nur wenige wissen, wo sie anfangen sollen.
15 clevere Tipps für einen nachhaltigeren Haushalt
Kleine Veränderungen, große Auswirkungen.
1. Recycling von Speiseöl
Das Speiseöl verschwindet nicht, wenn es in den Ausguss gegossen wird. Beim Abkühlen verfestigt es sich, haftet an den Wänden der Rohrleitungen und kann zu erheblichen Verstopfungen im Abwassersystem führen.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Gießen Sie das abgekühlte Speiseöl in einen geschlossenen Behälter und bringen Sie es zum Recyclingzentrum.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Das Öl verfestigt sich in den Rohrleitungen, sammelt sich in Form von Fettablagerungen an, verstopft das Netz und beeinträchtigt die Funktion der Kläranlagen. Diese Probleme führen zu aufwendigen Reinigungsarbeiten und hohen Kosten.
2. Verwenden Sie Kochreste
Das Kochwasser von Nudeln oder Reis enthält Mineralien und Stärke. Anstatt es in den Ausguss zu schütten, kann es sinnvoll wiederverwendet werden, wodurch gleichzeitig eine unnötige Belastung der Kanalisation vermieden wird.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Lassen Sie das Kochwasser (Nudeln, Reis, Gemüse) abkühlen und verwenden Sie es zum Gießen Ihrer Pflanzen, eines Baumes oder Ihres Gemüsegartens.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Große Mengen an mit Stärke und Nährstoffen belastetem Wasser werden unnötigerweise in die Kanalisation geleitet, wodurch sich die zu behandelnde Menge für die Kläranlagen erhöht.
3. Pflegen Sie Ihr Waschbecken auf natürliche Weise
Chemische Abflussreiniger und Desinfektionsmittel sind sehr aggressiv. Sie können Rohrleitungen beschädigen, das Abwasser verschmutzen und Mikroorganismen beeinträchtigen, die für den Betrieb von Kläranlagen unerlässlich sind.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Verwenden Sie natürliche Lösungen wie Backpulver und weißen Essig. Lassen Sie diese einwirken und spülen Sie sie anschließend mit warmem Wasser ab: Das ist wirksam, kostengünstig und umweltfreundlicher.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Chemikalien greifen Rohrleitungen an, stören die Abwasserbehandlung und erhöhen die Verschmutzung der Gewässer.
4. Installieren Sie einen Filter für das Waschbecken oder die Dusche.
Haare, Speisereste und kleine feste Abfälle gelangen leicht in die Kanalisation. Wenn sie sich ansammeln, bilden sie Verstopfungen, die den Wasserabfluss blockieren.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Installieren Sie einen einfachen Filter oder ein Gitter im Waschbecken oder in der Dusche. Reinigen Sie diesen regelmäßig, um zu verhindern, dass feste Abfälle in die Kanalisation gelangen.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Die Rohrleitungen verstopfen schneller, was zu Störungen im Netz und einem häufigeren Einsatz von Chemikalien oder kostspieligen Eingriffen führt.
5. Vermeiden Sie Mikroplastik
Mikroplastik ist in vielen Alltagsprodukten enthalten, insbesondere in bestimmten Kosmetika und Hygieneartikeln. Mit bloßem Auge nicht erkennbar, gelangt es durch Kläranlagen in Flüsse und schließlich in die Nahrungskette.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Wählen Sie Kosmetika ohne Plastikperlen oder Polymere. Überprüfen Sie die Etiketten und vermeiden Sie Angaben wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyacrylat oder PMMA. Es gibt natürliche Alternativen auf Basis von Fruchtkernen, Zucker oder Ton.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Mikroplastik geht durch die Kläranlage, verschmutzt nachhaltig die Gewässer und reichert sich in lebenden Organismen an.
6. Wasche dein Auto in einer Waschanlage.
Wenn Sie Ihr Auto zu Hause waschen, gelangen kohlenwasserstoff-, schwermetall-, fett- und chemikalienhaltige Abwässer direkt in den Boden und in die Kanalisation.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Bevorzugen Sie Waschanlagen: Dort wird das Wasser gesammelt, gefiltert und vor der Ableitung aufbereitet. Einige Anlagen recyceln sogar einen Teil des verwendeten Wassers.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Die Schadstoffe gelangen direkt in die Umwelt, verseuchen Böden und Gewässer und können von Kläranlagen nicht aufgefangen werden.
7. Bring abgelaufene Medikamente zur Apotheke zurück.
Arzneimittel enthalten Wirkstoffe, die, sobald sie ins Wasser gelangen, durch herkömmliche Aufbereitungsverfahren nicht vollständig entfernt werden können. Diese Stoffe können Wasserorganismen schädigen und langfristig in der Umwelt verbleiben.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Bringen Sie abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente in die Apotheke zurück. Dort werden sie kostenlos zurückgenommen und in geeigneten, sicheren Verfahren entsorgt.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Arzneimittelrückstände gelangen in Gewässer, stören aquatische Ökosysteme und können langfristige Auswirkungen auf Fauna und Flora haben.
8. Reduziere den Einsatz von Chemikalien im Haushalt
Viele Haushalts-, Kosmetik- und Hygieneprodukte enthalten persistente Chemikalien. Ein Teil dieser Produkte gelangt in die Kanalisation, wo sie in Kläranlagen nur schwer oder gar nicht vollständig entfernt werden können.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Bevorzugen Sie Produkte mit Umweltzeichen, natürliche oder feste Produkte und beschränken Sie die Anzahl der verwendeten Produkte. Eine milde Seife kann oft mehrere Flaschen ersetzen. Bringen Sie Nagellackreste, Lösungsmittel oder Haarfärbemittel ins Recycling.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Chemikalien reichern sich im Abwasser an, verschmutzen Gewässer und erschweren die Arbeit der Kläranlagen.
9. Feuchttücher nicht in die Toilette werfen
Feuchttücher lösen sich nicht in Wasser auf. Sie sammeln sich in den Rohrleitungen an, verstopfen die Pumpen und beeinträchtigen die Funktion der Kläranlagen.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Feuchttücher – auch die sogenannten „biologisch abbaubaren“ – müssen immer im Restmüll entsorgt werden.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Dies führt zu Verstopfungen, kostspieligen Reparaturen und Funktionsstörungen der Abwasserinfrastruktur.
10. Weniger Wasser zum Waschen und Duschen verbrauchen
Je mehr Wasser verbraucht wird, desto stärker werden die Abwassernetze und Kläranlagen beansprucht, insbesondere zu Spitzenzeiten und bei starken Niederschlägen.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Duschen Sie kürzer und drehen Sie das Wasser ab, wenn es nicht benötigt wird.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Die Kläranlagen werden unnötigerweise mit Wasser belastet, das keiner Behandlung bedarf, was zusätzliche Kosten verursacht, die letztendlich auf die Bevölkerung umgelegt werden.
11. Keine Farben, Lösungsmittel oder Chemikalien in die Kanalisation schütten.
Diese Stoffe sind giftig für Mikroorganismen, die in Kläranlagen für die Wasseraufbereitung sorgen.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Bringen Sie Farben, Lösungsmittel und Chemikalien zu Sammelstellen oder zum Recyclingzentrum.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Schadstoffe können die Reinigungsprozesse stören, in Gewässer gelangen und die Umwelt verschmutzen.
12. Die Waschmaschine nur betreiben, wenn sie gut gefüllt ist, und das Waschmittel richtig dosieren.
Jeder Waschgang verbraucht Wasser und Energie und setzt Waschmittelrückstände sowie Mikrofasern frei.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Die Waschmaschine nur voll beladen starten und die Dosierungsangaben für das Waschmittel beachten.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Eine unnötig hohe Menge an Abwasser und Schadstoffen wird zur Kläranlage geleitet.
13. Zigarettenkippen nicht auf die Straße oder in Gullys werfen
Zigarettenfilter enthalten Plastik und giftige Substanzen, die das Wasser verschmutzen.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Werfen Sie Zigarettenkippen in einen Aschenbecher oder in den Mülleimer. Oder rauchen Sie nicht.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Die Schadstoffe gelangen ohne jegliche Behandlung direkt in Bäche und Flüsse.
14. Die schmerzlindernde Salbe vor dem Duschen mit einem Papiertuch abwischen.
Schmerzstillende Salben enthalten oft medizinische Wirkstoffe, die Gewässer verschmutzen und nicht in Kläranlagen abgebaut werden können.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Vor dem Duschen die Reste der schmerzlindernden Salbe mit einem Papiertuch abwischen und in den Restmüll werfen.
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Die Kläranlage und die Gewässer werden unnötig mit Arzneimittelrückständen belastet, die schädliche Auswirkungen auf die Umwelt haben können.
15. Bevorzugen Sie Produkte ohne PFAS
PFAS, auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, werden in Kläranlagen nicht ausreichend abgebaut und können somit in Gewässer gelangen.
Die richtige Lösung / die richtige Maßnahme:
Wenn möglich, sollten PFAS-freie Produkte bevorzugt werden (Kleidung, Küchenutensilien, Kosmetika).
Wenn man diese Geste nicht respektiert…
Die PFAS gelangen über die Kläranlage in die Gewässer und reichern sich dort an.
Quiz
Teste deine Gewohnheiten mit diesem Fragebogen!
Manche Handlungen scheinen harmlos zu sein … bis sie eine Rohrleitung verstopfen.
Denn ein guter Reflex kann viel Schaden verhindern… Überprüfen Sie, ob Sie bereits die richtigen Reflexe haben oder ob einige davon verbessert werden sollten.
Nehmen Sie an unserem Quiz teil und testen Sie Ihre Reflexe.

Der Schmetterlingseffekt unserer Gewohnheiten
Jede Geste zählt … manchmal viel mehr, als man denkt.
600 Liter
können durch einen einzigen Tropfen Öl verschmutzt werden.
Selbst sehr kleine Mengen Öl reichen aus, um große Wassermengen zu verschmutzen. In den Abfluss gegossen, verstopft Öl die Rohrleitungen und erschwert die Behandlung in Kläranlagen erheblich.
135 Liter
Trinkwasser werden in Luxemburg durchschnittlich pro Person und Tag verbraucht.
Der größte Teil dieses Wassers wird nicht getrunken, sondern zum Duschen, für die Toilette, zum Waschen und für die Reinigung verwendet. Jeder eingesparte Liter reduziert die Menge an zu behandelndem Abwasser.
3 bis 5 Liter
nur wirklich zum täglichen Trinken und Kochen verwendet werden.
Der Rest wird für unseren täglichen Komfort verwendet. Dies zeigt, wie groß das Potenzial für Wassereinsparungen ist, ohne dabei auf Lebensqualität verzichten zu müssen.
Bis zu 600 Jahre
damit sich der Kunststoff in der Umwelt zersetzt.
Im Wasser zerfällt Plastik langsam in Mikroplastik, das nur sehr schwer zu beseitigen ist. Es gelangt in Flüsse, Seen und die Nahrungskette.
1 Tablette
kann Tausende Liter Wasser verunreinigen.
Kläranlagen können Arzneimittelrückstände nicht vollständig entfernen. Diese Substanzen verbleiben im Wasser und beeinträchtigen die Wasserfauna und -flora.
30 %
der chemischen Schadstoffe im Haushaltsabwasser stammen aus Reinigungsmitteln.
Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel und Weichspüler enthalten Substanzen, die für die Bakterien schädlich sind, die für die biologische Reinigung des Wassers sorgen.
Bis zu 20 %
der Strom einer Gemeinde wird für die Abwasserbehandlung verwendet.
Pumpen, Belüftung, Filterung … je verschmutzer das Wasser, desto mehr Energie verbraucht die Aufbereitung. Kläranlagen gehören zu den größten Stromverbrauchern in Gemeinden.
800 bis 1.200 €
pro Jahr für Wasser und Abwasser, durchschnittlich pro Haushalt in Luxemburg.
Wasser muss gewonnen, transportiert und aufbereitet werden. Durch verantwortungsbewussten Verbrauch und richtiges Verhalten lassen sich die zu behandelnden Mengen reduzieren – und damit auch die Rechnung.
Lesen Sie unsere FAQ
Was passiert mit meinem Abwasser in Luxemburg, nachdem es im Abfluss verschwindet?
In Luxemburg fließt dein Abwasser über die kommunale Kanalisation zu einer Kläranlage deiner Region, die von der Gemeinde oder einem interkommunalen Syndikat betrieben wird. Dort wird es gereinigt, bevor es wieder in Flüsse wie Alzette, Sauer, Korn, Mosel oder deren Nebenbäche eingeleitet wird.
Was ist eine Kläranlage und wozu braucht man sie?
Eine Kläranlage reinigt Abwasser mechanisch, biologisch und chemisch. Sie schützt damit unsere Flüsse, das Grundwasser und letztlich auch unsere Trinkwasserquellen.
Kann die Kläranlage alle Schadstoffe aus dem Wasser entfernen?
Nein. Einige Stoffe wie Mikroverunreinigungen (Medikamente, bestimmte Chemikalien, Hormone,
Kosmetikrückstände) und auch Mikroplastik lassen sich nur teilweise oder mit großem Aufwand entfernen. Deshalb ist es wichtig, diese Stoffe gar nicht erst ins Abwasser gelangen zu lassen.
Was passiert, wenn es stark regnet?
Bei starkem Regen kann viel zusätzliches Wasser in die Kanalisation gelangen. Um Überlastungen zu vermeiden, wird das Abwasser zwischengespeichert oder kontrolliert abgeleitet. In Neubaugebieten in Luxemburg werden Trennsysteme vorgesehen, so, dass das Regenwasser nicht zur Kläranlage geleitet wird.
Was ist Abwasser?
Unter dem Begriff Abwasser versteht man durch Nutzung verändertes Wasser aus Haushalten, Gewerbe und
Landwirtschaft (Schmutzwasser) sowie Regenwasser von versiegelten Flächen.
Warum kostet die Abwasserreinigung Geld?
Kanalisation, Pumpwerke und Kläranlagen müssen gebaut, gewartet und betrieben werden. Der Betrieb von Kanalisationen und Kläranlagen ist technisch aufwendig und energieintensiv. Reparaturen, Wartung und moderne Reinigungstechniken verursachen Kosten, die durch verantwortungsvolles Verhalten reduziert werden können.
Warum soll ich Medikamente in der Apotheke zurückgeben oder zum Wertstoffhof bringen?
Arzneimittel enthalten Wirkstoffe, die in Kläranlagen nur schwer abgebaut werden können. Wenn sie mit dem Abwasser abgeleitet werden, gelangen sie in Flüsse, wo sie Tiere und Pflanzen schädigen und sogar in die Nahrungskette gelangen und unsere Lebensmittel kontaminieren können.
Warum soll ich mein Auto in der Waschanlage waschen?
In der Waschstraße wird das Wasser entsprechend aufbereitet und es wird auch weniger Wasser verbraucht. Das anfallende Abwasser ist an die Schmutzwasserkanalisation angeschlossen. Beim Waschen auf der Straße oder in der privaten Hauseinfahrt gelangen Öl, Reifenabrieb und Schwermetalle oft direkt in die Umwelt, da diese Leitungen häufig über die Regenwasserkanalisation an den Bach angeschlossen sind.
Wer ist in Luxemburg für Abwasser zuständig?
In Luxemburg liegt die Verantwortung für die Abwasserbehandlung bei den Gemeinden. Diese haben diese Aufgabe
jedoch – mit wenigen Ausnahmen – an interkommunale Syndikate übertragen. Dabei handelt es sich um kommunale Zweckverbände, in denen mehrere Gemeinden gemeinsam Kanalnetze, Entlastungsbauwerke, Kläranlagen und Pumpwerke betreiben. In Syndikaten werden Fachkompetenzen und Ressourcen gebündelt. Sie sind häufig auch aus geografischer Sicht sinnvoll, da an viele Kläranlagen Ortslagen aus mehreren Gemeinden angeschlossen sind.
Nennenswerte Ausnahmen bilden die Stadt Luxemburg und die Gemeinde Hesperingen: Diese Gemeinden übernehmen, über ihre technischen Dienste, selbst die Bewirtschaftung ihres Abwassernetzes beziehungsweise den Betrieb ihrer Kläranlagen.
Auf nationaler Ebene legt der Staat die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf Basis der europäischen Vorgaben fest und überwacht die Wasserqualität.
Warum betrifft mich Abwasser überhaupt?
Sauberes Wasser ist eine grundlegende Voraussetzung für Gesundheit, Natur und Lebensqualität. Ein Blick in das
Mittelalter zeigt eindrücklich, welche Folgen es hatte, dass Abwasser nicht gezielt aus den Ortschaften abgeleitet und behandelt wurde: Krankheiten und Seuchen konnten sich ungehindert ausbreiten.
Neben den hygienischen Aspekten ist die Abwasserbehandlung jedoch auch von zentraler Bedeutung für den Umweltschutz. Abwasser ist Teil eines Kreislaufs – was wir in unseren Haushalten verursachen, gelangt in unsere Flüsse, in die Natur und letztlich auch wieder in unser Trinkwasser.
Kann ich eine Kläranlage in Luxemburg besichtigen?
Ja. Mehrere Kläranlagen und Abwassersyndikate in Luxemburg bieten kostenlose Führungen an – insbesondere für Schulen, Vereine, Gemeinden oder interessierte Gruppen.
Solche Besichtigungen zeigen anschaulich, wie Abwasser gereinigt wird und warum richtiges Verhalten im Alltag so wichtig ist. Informationen zu Besichtigungen erhält man:
- bei der eigenen Gemeinde,
- beim zuständigen Abwassersyndikat,
- oder im Rahmen nationaler Informations- und Sensibilisierungskampagnen, beispielsweise hier auf der Homepage.
Was ist ein Einwohnergleichwert?
Der Wert „Einwohnergleichwert“ (EGW) beschreibt die tägliche Abwassermenge je Einwohner:in, entweder mengenmäßig oder bezogen auf den Verschmutzungsgrad. Diese Größe ermöglicht es, Abwässer aus handwerklichen, gewerblichen oder industriellen Betrieben mit häuslichem Abwasser einer entsprechenden Einwohnerzahl gleichzusetzen.
Der Einwohnergleichwert wird insbesondere zur Bewertung und Auslegung der Leistungsfähigkeit von Kläranlagen verwendet. Die Kläranlage wird auf Einwohnerwerte (EW) ausgelegt; dieser Wert ist die Summer aus den angeschlossenen Einwohner:innen und Einwohnergleichwerten.
Wie ist die Abwasserbehandlung rechtlich geregelt?
Die europäische Kommunalabwasserrichtlinie (KARL, Richtlinie 2024/3019) ersetzt die alte Richtlinie (91/271/EWG)
und legt EU-weite Standards für die Sammlung und Behandlung von kommunalem Abwasser fest. Sie wird aktuell in luxemburgisches Recht umgesetzt.
Im Vergleich zur alten Richtlinie bezieht sich die Richtlinie jetzt auch auf Kläranlagen ab 1.000 Einwohnerwerte (EW) (davor ab 2.000 EW). Die Einführung der vierten Reinigungsstufe für ausgewählte Kläranlagen ist in der Richtlinie verankert.
Neu ist auch die Verpflichtung der Kommunen zur Erstellung von Abwassermanagementplänen und zur Reduzierung der Einleitung von unzureichend behandeltem Abwasser (Mischwasserentlastungen). Die Anforderungen für die Reduzierung der Nährstoffe Stickstoff und Phosphor werden an den Stand der Technik angepasst.
Die Richtlinie setzt ebenfalls die Energieneutralität von Kläranlagen als Ziel für das Jahr 2045.
Warum ist es wichtig, darauf zu achten, was ich in die Toilette und den Abfluss spüle?
Alles, was in die Kanalisation gelangt, muss zur Aufbereitung in die Kläranlage transportiert werden. Bestimmte Stoffe, wie Medikamente und Chemikalien, sind schwer oder gar nicht zu entfernen und verursachen Schäden und hohe Kosten. Andere Stoffe, wie Fette und Feuchttücher, können auf ihrem Weg zur Kläranlage, d. h. in der Kanalisation, Probleme wie Verstopfungen und Fettablagerungen verursachen.
Kann ich Feuchttücher in der Toilette herunter spülen, wenn sie „biologisch abbaubar“ sind?
Nein. Selbst „biologisch abbaubare“ Feuchttücher lösen sich nicht schnell genug in Wasser auf. Sie müssen immer mit dem Restmüll entsorgt werden.
Warum sollte ich kein Speiseöl und Fett in den Abfluss schütten?
Fett verfestigt sich beim Abkühlen, setzt sich in Rohren ab und verursacht Verstopfungen. Dies führt zu Schäden an Rohren und Funktionsstörungen in Kläranlagen.
Darf ich meine Zigarettenkippen in den Gully werfen?
Nein. Die meisten Abflüsse sind an das Regenwasserkanalsystem angeschlossen und leiten das Wasser direkt in Bäche oder Flüsse. Zigarettenkippen gelangen daher direkt in die Natur.
Die ideale Lösung ist natürlich, ganz mit dem Rauchen aufzuhören.
Was kann ich persönlich tun, um die Belastung der Kläranlagen zu verringern?
Schon kleine Maßnahmen können helfen: Gießen Sie kein Fett in den Abfluss, spülen Sie keine Feuchttücher in der Toilette herunter, verwenden Sie Reinigungsmittel sparsam, entsorgen Sie Medikamente ordnungsgemäß und gehen Sie verantwortungsbewusst mit Wasser um.












